WISE 2005 und das Aufstehen

WISE LogoEndlich habe ich Zeit gefunden mich wieder meinem Blog zu widmen, nach Weihnachten, Neujahr und einen neuen Blog zusammenzustellen und einen kleinen Artikel über das Aufstehen nach 60 Tagen zu schreiben.
Am Tag des Aufstehens, nachdem ich das letzte Frühstück im Bett genoss, kam ich mir vor, als hätte man mich in eine dieser Spital-ärzte Notfallfernsehserien verfrachtet, all die Gesichter der Menschen, die mich die letzten Monate begleitet hatten und neugierig, amüsiert auf mich runterschauten, als ich im Bett zum Aufstehen verfrachtet wurde.
Was hat den nun das lange Liegen für einen Einfluss auf das Herzkreislaufsystem? Die langandauernde Immobilität im Liegen lässt den Körper denken, dass er zuviel Flüssigkeit hat, da ein Grossteil der Flüssigkeit in den Beinen ist, wenn wir stehen, diese Flüssigkeit verteilt sich jedoch im ganzen Körper beim Liegen. Somit baut der Körper Flüssigkeit ab, wenn wir länger liegen. (Zu Beginn der Studie hiess das sehr viel urinieren) Wenn wir nun nach 2 Monaten liegen aufstehen, hat der Körper zuwenig Flüssigkeit zur Verfügung um das Kreislaufsystem in Schwung zu halten.
Mit dem Aufstehen liess ich mir foglich viel mehr Zeit um meinem Körper die Zeit zu geben sich umzustellen und nicht gleich ohnmächtig zu werden. Mein Körper meldete sich auch sofort mit Durst. In den ersten 5 min Aufstehen und die Beine testen, die ganz schön zitterten, hab ich wohl etwa einen Liter Wasser getrunken. Ich fühlte mich wie ein neugeborenes Herdentier, welches kaum auf der Welt in den nächsten Stunden gleich losrennen und mithalten muss. Meine Beine zitterten und gleich nach dem Aufstehen schickten sie mich über den Balancierbalken, was mit Augen offen erstaunlich gut und mit Augen geschlossen erstaunlich schlecht ging.
Danach folgten viele Lauf-, Postur- und Gleichgewichtstests. Was am ersten Tag frappant war, ist, dass das Laufen erstaunlich gut ging (noch kein Muskelkater!), beim Stehen jedoch der Kreislauf schnell zusammen zusacken drohte.
Was sich für die folgenden Tage um 180° drehte, den da kam der fürchterlichste Muskelkater in den Waden, den man sich nur vorstellen kann. Der Rest des Körpers fühlte sich eher an wie nach einer längeren Wanderung mit Rucksack, doch der Muskelkater in den Waden übertraf alles. Die fehlenden Kraft machte sich schnell bemerkbar, bei den täglichen Spaziergängen wurden die Randsteine fein säuberlich eingeschätzt. Ein komische Kombination aus Erinnerung, welche Kraft man hatte und dem Spüren, welche Kraft tatsächlich noch vorhanden ist. Doch nach einer intensiven Rehabilitation mit einem Rugbytrainer aus Toulouse, wurden wir ziemlich schnell wieder fit, die schlaffen Waden stramm und wir übermütig. 40 min Velo, 2h Spaziergang, 1.5 Stunden Rehabilitation und alle zwei Tage 30min Steppen zeigten ihre Wirkung schnell.
Frische Luft zu riechen und sich wieder bewegen wurde sehr geschätzt doch ein Hochgefühl, ein bester Tag im Leben, wie die Mädels aus der vorherigen Session es beschrieben hatten, dieses Gefühl blieb aus. Klar genossen wir das Laufen, Gehen, Riechen und Bewegen viel intensiver, doch dieses allgemeine Hochgefühl blieb aus. Was die Studie jedoch bei allen hinterlassen hat, auch bei denen, die uns betreut hatten und mit uns mitgegangen waren, ist eine allgemeine Lust zu reisen, weiterhin Aussergewöhnliches zu tun, Dinge zu wagen die im Alltag keinen Platz haben, zusammen als das Team das wir wurden oder auch einzeln.
Es hat sich auf jeden Fall für alle von uns gelohnt und ich würde um keinen Preis der Welt die Erfahrung hier mit irgendetwas anderem eintauschen wollen.

ESA: After 60 days in bed, it’s time to get up! 7.12.2005
ESA: Paving the way for women to Mars: the last WISE volunteers back on their feet 8.12.2005

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