WISE 2005 oder warum Simulation von Schwerelosigkeit wichtig ist

WISE LogoWarum werden Bedreststudien, wie die WISE-Studie durchgeführt? (siehe auch erster Bericht)
Die Auswirkungen die ein längerer Aufenthalt im All auf den Körper des Menschen haben kann, sind vielfältiger Natur. Einige dieser Auswirkungen, werden in der WISE Studie simuliert. Im folgenden Text versuche ich diese Auswirkungen auf den Menschen ein wenig näher zu erläutern, nicht vollumfänglich, doch so, wie ich sie zumindest in den letzten zwei Monaten durch Vorträge und Gespräche erfahren habe, den ich bin weder Physiologe noch Mediziner.

Tsiolkovski meinte einmal: „Dass die Erde zwar die Wiege der Humanität ist, aber man nicht ewig in dieser verbleiben kann.“

Seit dem ersten Raumflug waren etwa 450 Menschen im All und davon ca 40 Frauen (Ich such immer noch eine aktuelle Liste). Nach der ersten Raumstation Saliout, haben die Menschen zusammengezählt in etwa 72 Jahre im All, in einer für sie nicht geschaffene Umwelt, verbracht. Umweltbedingungen die den Menschen gesundheiltich und psychisch beeinflussen, die Schwerelosigkeit, die soziale und physische Isolation, die veränderten Lichtverhältnisse, die Abwesenheit von Wärme und die Strahlung.

Wie beeinflusst ein Aufenthalt im All den menschlichen Körper?
Kurz und amüsant zusammengefasst führt ein längerer Aufenthalt im All zu Moon-face und Chicken-legs.
Die Umverteilung der Flüssigkeiten durch die Schwerelosigkeit im Körper führt dazu, dass die Flüssigkeit, die durch die Schwerkraft in den Beinen akkumuliert ist, sich im ganzen Körper gleichmässig verteilt, hauptsächlich im Oberkörper. Das Kreislaufsystem braucht folglich nicht mehr den gleichen Energieaufwand um den Kreislauf in Schwung zu halten.
Das Flüssigkeitsvolumen nimmt ab, da der Körper durch die Umverteilung der Flüssigkeiten den Eindruck bekommt, er habe viel zu viel Flüssigkeit im Körper. Sprich, zu Beginn eines Raumfluges kann es vorkommen, dass ein Astronaut viel häufiger aufs WC muss.
Neuro-Sensoriell führt die Schwerelosigkeit zu einem zu einem Konflikt zwischen dem Gleichgewichtssinn im Innenohr, der auf der Schwerkraft basiert, und der Sicht, zur sogenannte Raumkrankheit.
Muskelverlust, vor allem in den Beinen (chicken legs) und eine Verringerung der Knochendichte (bei längeren Aufenthalten), sind weitere Reaktionen auf die fehlende Schwerkraft.
Immunologisch scheint es eine Verstärkung des Immunsystems zu geben und eine Verringerung der Anzahl roten Blutkörperchen.
Ausserhalb des Schutzes des Erdmagnetfeld wirkt sich die Strahlung und noch viel gravierender die Sonnenstürme auf die Gesundheit der Menschen aus. Dies ist neben dem Fehlen der Schwerkraft und den oben aufgeführten Punkten wohl mit Abstand das grösste gesundheitliche Risiko im All.
Zudem sind auch die psychologischen Konsequenzen ein weiterer limitierender Faktor für die Selektion einer idealen Mannschaft, für einen längeren Aufenthalt im All, wie zum Beispiel einer interplanetare Reise zum Mars.

Simulation
Viele Fragen sind noch offen und möchten näher untersucht und beantwortet werden. Durch Studien, die einen oder mehrere Faktoren, die bei einem Aufenthalt im All auftreten können, werden Antworten auf diese Fragen gesucht.
Neben den Bedreststudien, wie der WISE 2005 Studie an der ich im Moment teilnehme, werden Parabelflüge durchgeführt, in denen es möglich ist, für circa 20 Sekunden jemanden in der Schwerelosigkeit zu untersuchen. Des weiteren werden Studien durchgeführt, die die Isolation und Abschottung untersuchen oder ähnliche Milieus, wie polare oder Unterwasserbasen oder der Biosphere 2, zur Untersuchung der Isolation, dem sogenannten „Confinement“. Ziel dieser Studien ist die Untersuchung Adaption des Menschen an die Umgebung und die Validierung von Gegenmassnahmen (countermessure).

Gegenmassnahmen
Bei der Evaluierung von Gegenmassnahmen stellen sich verschiedene Fragen. Welche Gegenmassnahmen sollen ergriffen werden? Wie stark, wie oft in möglichst kurzer Zeit? Wieviel Verlust an „Fitness“ kann in Kauf genommen werden ohne die Sicherheit der Mission zu gefährden. Im wesentlichen bestehen die momentanen Gegenmassnahmen die auf der ISS durchgefürht werden aus Trainieren, mit elastischen Bänder, auf dem Laufband oder Velo. (Gut möglich, dass es noch weitere Gegenmassnahmen gibt, die ich nicht kenne.)

Die WISE Studie untersucht die Effizienz der LBNP-Box, dem FlyWheel und einer spezifischen Diät.
Weitere Forschungen werden sich auf künstliche Schwerkraft durch Zentrifuge oder auch auf einen pharmazeutischen Approach konzentrieren.
In etwa einem Jahr, wenn all die erhobenen Daten, in den verschiedenen wissenschaftlichen Teams ausgewertet sein und publiziert werden, sind wir dem Zitat von Tsiolkovski einen weiteren Schritt näher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.