kleiner Irlandreisebericht

Die MoherklippenDa die meisten erst in den nächsten Tagen in die Ferien gehen werden und das alljährliche Sommerloch anrückt, hier ein kleiner Ferienappetithappen.
Ehrlich gesagt bevor ich auf die Insel ging, hatte ich mich höchstens marginal mit der Insel beschäftigt. Ich wusste, dass sie grün, guinessverrückt, linksfahrend und allgemein fast rothaarig war. Viel mehr ausser vielen geschichtlichen Begebenheiten wie Nordirland, Besetzung und Hungersnot, wusste ich nicht.
Nun nach zwei Wochen viel grün, weiss man, vorallem, wenn man mit dem Zelt unterwegs ist, dass es einen Grund hat warum die Insel, die Grüne genannt wird. Das Wetter ist mit unserem April zu vergleichen. Sprich, es regnet oder es sieht nach Regen aus. Ganz so schlimm war es dann doch wieder nicht, die letzten 4-5 Tage, wohl um uns mit der Insel zu versöhnen, lockten nicht nur uns, sondern auch ganz Dublin, an einen wunderschönen Strand (Brittas Bay). Am darauffolgenden Tagen, sah man vielerlei rote Iren. Das Klischee mit den roten Haaren passt vorallem zu den Kindern.
Die Strassen, ohnehin mit halsbrecherischen Angaben ausgeschildert, waren oft grüne Tunnels, mit einer Sichtweite von 30 – 50m. Gepflegt wurden diese grünen Tunnels von Traktoren mit riesigen Hecken-Mähern, wohl das irischen Pendant zu unseren Strassenputzmaschinen. Auf keinen Fall ist es anratsam die Kurven schneiden, den jeder fährt mit der Annahme, dass sie nicht geschnitten wird. Was die vielen verkehrstoten Tafeln entlang der Hauptstrassen auch erklären könnte.
Eine kulinarische Hochburg scheint die Insel nicht zu sein. Wer keine Allergie gegen Kartoffeln hat, wird dort bei der allgemeinen „Chips“-Mania nicht verhungern.
Geschichtliche Artefakte sind mehrheitlich über das ganze Land verstreut, die schönsten Funde werden jedoch im Nationalmuseum in Dublin ausgestellt. GlendaloughBurgruinen, Rundtürme, Befestigungsanlagen, Hochkreuze, Dolmen und Ganggräber (Unesco-Weltkulturerbe) sind an vielen Orten vertreten. Landschaftlich sehr eindrücklich ist der Nordwesten (dort stürmt und regnet es besonders viel), der auch das irische Alaska genannt wird und die Klippen von Moher, touristisch mit einem riesigen Parkplatz erschlossen. Durch den warmen Golfstrom wird der Süden der Insel für die Vegetation aus dem Mittelmeerraum interessant. So fährt man plötzlich an Palmen und Akazien vorbei, dass ist, wie wenn im Zürcher Oberland plötzlich Strausse durch die Pampa rennen würden.
Sehenswert sind auch die vielen kleinen Dörfer, bei denen man anmerkt, dass die Häuser besessen und nicht nur gemietet werden. So wird grossen Wert auf einen schönen Eingangsbereich gelegt und jeder Eingangsbereich ist individuell gestaltet. Die EU-Förderung und die Allgemeine Aufschwungsstimmung scheint einen waren Bauboom ausgelöst zu haben. Überall werden neue Häuser gebaut und viele der EU-Fördergelder werden wohl in den Strassenbau investiert. Ob nun der Strassenbau oder Fussball gefördert wird, wurde bei einer Baustelle, die wir passierten nicht ganz so klar (Siehe Bild).
Das Pub und die Musik sind eng verbunden und das Bardentreffen in Miltown Malbay (jährlich erste Juliwoche) gestattete einen Einblick in diese kulturelle Seite. BaustellenfussballIn Dublin scheint jedoch in manchen Pubs im Templebar-Bezirk die Musikmacherei mehr zu einer Farce für nach ihren Wurzeln suchenden Amerkaner zu werden, wenn unverhofft aus einer Bar „Country Roads take me home…“ ertönt. Ansonsten kommt man kaum an der fröhlichen irischen Volksmusik vorbei und wenn dann junge Gruppen mit Fussballshirts bestückt einer Fidel in der Hand die Leute begeistern, lässt sich ihre Begeisterung für die eigene Musik nicht nur erahnen.
Zudem sind die Iren ziemlich sportverrückt, sei es nun Fussball, Hurley (das Spiel mit diesem Holz-Unihockeyschläger) und Gaelic Football, bei welchem Mann den Ball auch in der Hand halten darf. Von den Städten hat mir Cork am Besten gefallen, die Altstadt lädt wunderbar zum schlendern und flanieren ein.
In Waterford sind wir dann eher zufällig auf „The Tall Ships Race 2005 Waterford“ gestossen und kamen so in den Genuss ca. 91 verschiedene grosse und kleine Segelschiffe in einem Hafen zu sehen, vorallem die vielen grossen 3 Master waren ziemlich imposant. Wer noch zusätzlich Segelschiff-Bilder sehen möchte, für den gibts einen zusätzlichen Beitrag. 🙂

Einige Besichtigungstipps: die Normannenburg Trim (dort gibts einen ganz tollen Führer, hat mal Anglistik studiert und weiss so einige interessante Details, zudem diente die Burg als Kulisse für Braveheart), den Rock of Cashel, die Klippen von Moher, Tara mit dem Lial Fail (man sieht nicht viel, aber geschichtlich sehr interessant), die Gangräber Newgrange und Knowth, Glendalough mit Hochkreuz und Rundturm und Monasterboice mit Hochkreuz, in Dublin das Nationalmusem und für Buchfanatiker das Book of Kells im Trinity College. Dort unbedingt ganz früh gehen.

Zum Zelten: Für wetter- und windfeste kein Problem, doch ist eine Art Campingplatzverzeichnis mit Campingplätzen für solche mit Caravan und/oder Zelt ziemlich empfehlenswert. Den gerade in den Ferienregionen gibt es viele dieser „Holiday-Cities“, die festinstallierten Camper-Häuschen, die oft keine Zelte nehmen oder gar nicht erst bedient sind. Viele Zeltplätze, welche bei uns auf der Karte als solche eingezeichnet waren, waren solche Holiday-Cities.

5 thoughts on “kleiner Irlandreisebericht

  1. WB 3.14a 🙂

    Schöner Bericht, würde mich auch mal reizen Irland etwas zu bereisen.
    Da scheint es wenigstens nicht so bekackt heiss zu sein 🙂

    Es Grüessli vom Mike

  2. lach, hab mich dieses Wochenende klimamässig schon fast wieder zurückgewünscht, doch zuhause zu sein mit einem richtigen Bett und kein Zigeunerleben, hat auch was für sich 🙂

  3. Na dann, welcome back in good old Switzerland. Irland ist wirklich toll, war vor 3 Jahren da. Ich kann Deine Eindrücke voll und ganz nachvollziehen und bestätigen. Insbesondere das Autofahren auf der Insel kann zur Tortur werden. Für alle, die schon in Schottland waren: In Irland wimmelt es von schottischen „single track roads“, nur dass sie in Irland eben nicht „single track“ sind….
    Auf dieser grünen Insel wimmelt es wirklich von alten Türmen und Denkmälern, beinahe an jeder Kreuzung steht so ein mittelalterlicher Wohnturm…
    Ferien auf der Insel – wäre dieses Jahr schön :-/. Wenigstens bekommen wir heute richtiges Irlandwetter geboten 😉

  4. Mit den single track roads für double track use haben wir so unsere Erfahrung gemacht. Das beste Beispiel fand sich in Sligo kurz vor Strandhill, da hatte es eine Seitenstrasse, eher ein Einweg-Grüntunnel mit 30° Steigung und vielerlei Windungen. Aber als wir diese Strasse benutzten um zu wenden, wurde klar, dass man mit 100km/h (wenigstens nicht Mph) rauf, dafür aber nur mit 80km/h runter fahren durfte. Falls es überhaupt ein Auto gibt, dass mit 100 heil raufkommt.
    Ich war so perplex, dass ich gar nicht daran gedacht habe ein Foto zu nmachen.

    Das mit dem Wetter stimmt wohl, nur ein paar Grad zu warm, das kühlt wenigstens die vielen U2-Besucher ein wenig ab. 🙂

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