SISTM – incredible subjects

So ironisch, wie ich die Ausstellung von SISTM “incredible subject”(blog) beurteilt habe, so hat mir diese künstlerische, überspitzte Bearbeitung des Phänomens (weblog) gefallen.
Neben den Texten, die alle durch ihre schreiende Umittelbarkeit in sich selbst austauschbar werden, gefiel mir die digitale Bearbeitung der Bilder. Mehrere Schichten übereinander auf Leinwand gedruckt, geben beinahe der Eindruck vor Tempera zu stehen.

Schade, dass die Medien so unreflektiert, pauschalisierend darüber berichtet hatten. Die Ausstellung läuft noch bis zum 11.Februar auf der Gallerie PlattformElf
Weitere Bilder mit visuellen Eindrücken der Ausstellung unter
SISTM incredible Subjects

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12 thoughts on “SISTM – incredible subjects

  1. Freue mich ehrlich, dass einmal ein
    etwas differenzierterer Kommentar aus der Blog-Szene erscheint.

    Herzliche Grüsse
    SISTM

  2. Ich glaube, bei den Reaktionen über deine Ausstellung, war vielmehr die Empörung über die Berichterstattung, den der Ausstellungsinhalt und Umsetzung des Themas an sich ausschlaggebend. Den in deiner Ausstellung geht es ja nicht um die vielfältigen Aspekte des Bloggens oder eine Diskreditierung dessen, sondern um einen Aspekt und eine bestimmte Betrachtungsweise.

  3. Ja 314a das ist so, wie Du es schreibst.

    Meine Absicht war und ist in keinem Fall die Blogger zu diskreditieren.
    Ich halte Blogs für sehr wichtig. Gellschaftlich und politisch.

    Nur beschäftige mich in der Tat mit gesellschaftlichen Phänomenen unserer Zeit, die eben im Internet und dabei unter anderem in Bolgs sichtbar werden.

    Und dabei ist es mir ein grosses Anliegen vor allem auf Probleme wie Vereinsamung oder seelische Störungen von Menschen in der doch sooo kommunikativen, sooo offenen Welt des Internets hinzuweisen.

    Ein Phänomen, das zur Zeit scheinbar erst in den grossen Städten der Welt oder anderen Ländern, mit grösseren gesellschaftlichen Problemen,
    als in der ach so glücklichen Schweiz staffindet.

    Schade, dass das in dem Tagesschau Beitrag nicht so gut rüberkam. Die Folge ist zum Glück, dass sich viele Leute die Ausstellung anschauen und sich damit selbst ein Urteil über meine Arbeit bilden können.

    Herzliche Grüsse

    SISTM

  4. Ein Phänomen, welches, ohne neuen Medien, wohl einfach nicht sichtbar, jedoch unvernetzt vorhanden wäre.
    Ich sehe eher eine ‚persönliche‘ Vereinsamung in einer gewissen, vernetzten, durch oberflächliche Kontakte geprägte kulturelle Schicht/Gruppe, die sich in blogs oder anderen Medien manifestiert.
    Keine physische Vereinsamung.

    Die ach so glückliche Schweiz, die sooo offene Welt des Internets… einen schlechten Tag gehabt? ;-).

  5. Liebe/r 314a

    es ist immer erst einmal die Sitze die bei Eisberg sichtbar wird.

    Blogs, um ein Beispiel zu nennen
    (hoffentlich schlägt jetzt nicht wieder jemand auf mich ein 😉 sind nur eine von vielen Plattformen auf der sich soziokulturelle Prozesse manifestieren.

    Ich habe in diversen Beiträgen darauf hingwiesen, das es meines Erachtens nach kulturelle Differenzen zwischen USA und GB und Kontinentaleuropa gibt, die auch in der Art und Weise der Internet-Nutzung sichtbar werden. (Die Texte und Bilder meiner Ausstellung stammen aus diesen Ländern.)

    Vereinfacht gesagt: Dort gibt es eine “Kultur des Exhibitionismus”, die
    ich so in unseren Breiten (noch) nicht in dem grossen Ausmass sehe.

    Dies führt zur Bekundung seelischer und sozialer Probleme in ungwöhlicher, zum Teil erschütternder Offentheit. (Du hast ja die Texte lesen können.)

    Bem.: Interessanterweise habe ich diese “Kultur des Exhibitionismus” nur im Bereich der Sexualität auf beiden Seiten des Atlantiks in gleichen Masse vorgefunden.

    Aus meiner subjektiven künstlerischen Sicht habe ich ich diese verschärften äusserungen genutzt um auf einen Zustand hinzuweisen, der unter der Oberfläche unser hiesigen Gesellschaft
    gärt.

    Warum hat wohl die Schweiz die höchste Selbstmordrate unter jungen Menschen in Europa?

    Warum ist die Schweiz in Drogenkosum ebenfalls auf Spitzenplätzen zu finden?

    Wie geht es den vielen Singles in Zürich? Alle bestens vernetzt, alle
    sind gut drauf, wie es ja in der üppigen
    Gastro-Szene der Stadt zu besichtigen ist. Und danach?

    Ich denke, die Blogger Szene in der Schweiz ist eine noch kleine Gruppe von gut vernetzten Avantgardisten. In den überwiegenden Fällen, mit einem durchaus vorzeigbaren intellektuellen Anspruch. Den Aufschrei nach dem Tagesschau-Beitrag, kann ich daher absolut nachvollziehen.

    Leider wurde eben auch nicht vollständig wiedergeben, worum es mir inhaltlich geht. Aber Schwamm drüber.

    Meine Prognose: In dem Moment, wenn Blogs hierzulande ein Massenphänomen, wie in den USA werden, vor allem bei Jugendlichen, werden sich auch vermehrt private Inhalte den Weg bahnen.

    Dann kommt wahrscheinlich auch der Rest vom Eisberg zu Vorschein. Oder soll ich sagen von der seelischen Müllhalde?

    Herzliche Grüsse

    SISTM

  6. …es ist immer erst einmal die Sitze die bei Eisberg sichtbar wird.

    Scheisssssss Tippfehler 😉

  7. Mit der relativ kleinen Bloggerszene in der Schweiz, muss ich dir wohl zustimmen. (Im Moment ist es noch eher exotisch überhaupt so etwas wie einen blog zu führen.) Ob dann so ein grosser Müllberg zum Vorschein kommt, weiss ich nicht.
    Die Schweiz ist klein und die eigene Privatspähre, wird denke ich, doch sehr geschätzt. Was nicht heisst, dass jemand irgendwo sein ganz persönliches, aber anonymes blog führt. Womit es schwierig wird, Länder getrennt die blogs zu betrachten.

    Die Suizidraten der Schweiz sind im Ländervergleich über hundert Jahre konstant hoch und sie besitzt mit Dänemark, Finnland, östereich und Ungarn die höchsten Suizidraten. (http://www.stopsuicide.ch/5…)

    Ich frage mich, ob der Konsum von Suchtmittel wirklich zugenommen hat.
    Wahrscheinlich schon, denn wenn wir die letzten hundert Jahren betrachten, hat nur schon die potentielle Verfügbarkeit von neuen, anderen Suchtmittel enorm zugenommen. Doch fallen die Drogenabhängigen, die wir haben, im Vergleich zu der Masse von Alkoholkranken, wirklich ins Gewicht, sind sie nicht einfach nur sichtbarer?

    Einsamkeit in Städten, unsere Kultur, Protestantismus, Eigenverantwortung, Erfolgsdruck usw.
    Wie stark hat sich unsere Gesellschaft geändert?
    Stark, aber vielleicht nicht so stark wie wir denken.
    Vieles war wohl schon so, nur nicht sichtbar und für uns Vergangenheit. Vielleicht gärt dieser Zustand schon länger als du (wir) denken.

  8. Es ist hier nicht besser und nicht schlechter als anderswo. Was die Schweiz meines erachtens nach von anderen Ländern unterscheidet, ist dass
    gesellschaftliche Verwerfungen hier weniger öffentlich, weniger sichtbar sind und wenn, dann nur mit zum Teil Jahren Verspätung.

    Ich denke jedoch, dass die “heile Welt” Fassade der Schweiz vor allem viele junge Menschen ankotzt, weil sie deren Schattenseiten am stärksten am eigenen Leib spüren: Protestantismus,
    Erfolgsdruck, Anpassungsdruck, Repression.

    Weil sie jeden Tag in die Abgründe ihrer Perspektivlosigkeit blicken, weil sie jeden Tag hinter die bürgerliche Fassade der kaputten Ehen ihrer Eltern blicken. Ich rede hier nicht von den vollversorgenten Reichtums-Kids, auch nicht von den Soziotopen der Alternativ-Szene, auch nicht von Randständigen, meine Sujets sind allesamt Teilnehmer der bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft.

    Zugegeben ich spitze zu, aber ist es nicht in weiten Teilen so? Ist es nicht in der Schweiz üblich Probleme unter den Teppich zu kehren, jeglicher Konfrontation auszuweichen, faule Kompromisse als Konsens zu bemäntlen?

    Natürlich gibt es in unserem Land eine Menge schlauer Leute, die sich in intellektuellen Zirkeln (auch in Blogs) so ihre Gedanken zu allem möglichen Zeitfragen machen. Nur bitte nicht öffentlich. Und schon gar nicht die Konfrontation suchen. Dann wandert man am besten gleich aus, so wie Hirschhorn.

    Ich habe einen anderen Ansatz als Hirschhorn. Ich bin kein Polit- oder Aktionskünsttler, der sich sehr unmittelbar mit gesellschaftlichen Fragen befasst.

    Meine Arbeit dreht sich um die Befindlichkeiten von Individuen, da sich nach meiner Auffasung
    gesellschaftliche Phänomene im Individuum am schärfsten wiederspiegeln.

    Und da sehe ich eben die Abgründe und ich muss es leider auch so sagen, die seelischen Müllhalden. Ich muss dabei nur an meinen weitläufigen über einige Länder verteilten Bekannten- und Freundeskreis denken:

    Kluge Köpfe, mehrheitlich Akademiker. Heavy Internet User und sei es nur zum Zweck der Triebabfuhr. Viele, vor allem die in den USA, Blogger der ersten Stunde.

    überwiegend Singles, geschieden oder mit kaputten Ehen, einfach nur unglücklich, oft aber auch seelisch zerüttet. Drogen, Alkohol, Einsamkeit, sexuell pervertiert, vor dem Leistungsdruck kapitulierend, von Ehrgeiz zerfressen oder arbeitslos.

    Ich muss lange nachdenken, um darunter jene zu finden, über die man Anderes berichten könnte.

    Herzliche Grüsse

    SISTM

  9. Es ist nicht besser und schlechter hier als anderswo, womit du sicherlich Recht hast. Vielleicht ein wenig anders betont. Die faulen Kompromisse, über die könnte man wohl ein Buch schreiben und sich ergiebigst über die grösse der Faul- oder nicht-Faulheit erörtern.

    Zu den Abgründen, auf welche du eingegangen bist.
    Jeder hat seinen eigenen Abgrund, welcher er hineinschaut und der in ihn zurückschaut. Die Frage ist, ob man die eigenen Abgründe auch in unserer heutigen Gesellschaft akzeptieren kann. Ob man hineinblicken kann in das, was nicht gefällt. Ob man sich Zeit gibt sich mit sich selbst zu beschäftigen, in einer Zeit, in welcher die ‚Zeit‘ ein Luxusgut ohnesgleichen wurde.
    Auch wenn durch die 68’er vieles vereinfacht und zum Teil auch erreichbar wurde, scheint sich eine gewisse Genügsamkeit in Bezug auf Ziele, Dinge die uns weiterbringen vorzuherrschen. Wir sind Kinder einer Generation von Rebellen, ohne Ziele, welche die Ideale gesehen und nun erwachsen deren Realität, welche die Umsetzung in Frage stellen, die Ziele hinterfragen und ziellos, hilflos sind angesichts der Hinterlassenschaft unserer Vorfahren umherirren und nicht wissen was zu tun. 😉

    (das ist ziemlich überzeichnet zu betrachten)

  10. Hi 314a

    wunderbarer Kommentar. Trifft es auf den Punkt.

    Ich habe als Künstler eine ausgesprochen sorgfältige Ausbildung erfahren. Unter anderem war ich fünf Jahre lang Assistent des grossen deutschen Polit-Künstlers Jörg Immendorff. Dabei habe ich gelernt methodisch den Teppich zu heben, hinter die Fassaden zu schauen und dort verdeckte gesellschaftliche Phänomene ans Licht zu holen.

    Bei Immendorff ging es zu meiner Zeit mit ihm vor allem um die Bewältigung der Deutschen Vegangenheit und die Aufdeckung des verlogenen Umgangs der Gesellschaft mit diesem Thema.

    Wie hast Du hast formuliert:
    “Die Frage ist, ob man die eigenen Abgründe auch in unserer heutigen Gesellschaft akzeptieren kann.”

    Genau darin sehe ich meine Aufgabe als Künstler, diese Abgünde auszuleuchten, ans Licht zu holen, um damit auf Entwicklungen, so wie ich sie aus meiner ganz persönlichen, subjektiven künstlerischen Sicht sehe, hinzuweisen.

    Mit der aktuellen Ausstellung habe ich (unbeabsichtigt, da es mir ja gar nicht um das Thmena Bloggen ging) scheinbar einen wunden Punkt, einen Nerv getroffen. Anders sind mir die heftigen Reaktionen aus der hiesigen Blog-Szene nicht zu erklären.

    Die Frage ist, ob man dort nicht bereit ist hineinzublicken in das, was nicht gefällt.

    Verlogenheit?

    Mal sehen wie es weitergeht. Ich muss jetzt an meinem nächsten Projekt arbeiten. Dort werde ich noch stärker auf verbale, persönliche Statements im Web eingehen. Erneut mit Hilfe von Blog-Fragmenten.

    Ob es das den schweizer Bloggern nun gefällt oder nicht.

    Ich werde weiter Salz in die Wunden der persönlichen Abgünde streuen, die in der Schweiz so gerne tabuisiert werden.

    Herzliche Grüsse

    SISTM

  11. Soweit ich aus den Kommentaren, die ich gelesen habe, beurteilen kann, ging es im Wesentlichen nur um die einseitige Berichterstattung und gar nicht um die Ausstellung an sich.

    Den es war nicht der erste Beitrag in ähnlicher Manier. Planetopia brachte scheinbar ähnlich unrecherchierten Schwachsinn zustande.
    (http://weblog.plasticthinki…)

    Die Empörung ist verständlich, den es kommt einen Journalisten kaum in den Sinn, den Inhalt der Bibliothek von Alexandria mit Trivialliteratur gleichzusetzen. So in etwa wirkte wohl die Pauschalisierung der Tagesschau.

    Dafür berichtete die Migroszeitung interessanterweise neutraler über das ‚Phänomen‘ Blog.
    (http://www.workshop.ch/weit…) (via http://www.stefanbucher.net…)

    Ich würde nicht von Verlogenheit sprechen. 😉
    Den so vielseitig die blogs sind, so unterschiedlich sind die Absichten, die hinter den blogs stecken.
    Sammelsurium, Recherche, Informationssuche und Verknüpfung, Weitergabe von Wissen, Informieren von Freunden, Persönliches, Beobachtetes, Literarisches, Erlebtes,…
    Die einen möchten Reflektieren, philosphieren und Abgründe aufdecken und für andere erfüllt es diesen Zweck in keinsterweise. So vielseitig ein Bleistift genutzt werden kann, so vielseitig, werden Blogs genutzt. Den eigentlich ist es nichts anderes wie ein öffentliches Notizblatt mit Datum. 😉

    Künstler und/oder Blogger, welche der heutigen Gesellschaft auf den Zahn fühlen und ihre Abgründe aufzeichnen braucht es ohne Zweifel.
    Es wird wohl ein ziemlich frommer Wunsch bleiben, wenn ich mir wünsche, dass die Berichterstattung differenzierter wäre.

    ps: zu meinem letzten Kommentar, der letzte Satz mit “nicht wissen was zu tun”.
    Ich glaube schon, dass wir wissen was zu tun ist, doch angesichts der enormen Vernetzung und der Herausstilisierung globaler Kontexte, erscheint der Einzelne noch kleiner und hilfloser.

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